Reimwelt · Handbuch

Wissenswelt

Wie Reimwelt unter der Haube tickt – und alles, was du über Reime, Rhythmus und Lautschrift wissen wolltest, ohne je ein Phonetikseminar besucht zu haben.

Wie es funktioniert

Reimwelt sucht keine Textübereinstimmungen. Stattdessen vergleicht die App Wörter auf Lautebene: Für jedes Wort in der Datenbank ist eine IPA-Transkription hinterlegt. Aus dieser wird der Reimteil extrahiert – also alles ab dem letzten betonten Vokal bis zum Wortende.

Anschließend berechnet die Engine einen Reimreinheitsgrad (0–1) zwischen zwei Wörtern, indem sie die Lautdistanz ihrer Reimteile misst. Ein Wert von 1,0 bedeutet perfekten Gleichklang, niedrigere Werte erlauben auch ähnliche, aber nicht identische Laute – was besonders für sprachübergreifende Reime wichtig ist.

Die Ergebnisse werden nach vier Kriterien sortierbar gemacht: alphabetisch, nach Reimreinheit, nach Wortfrequenz (Wie gebräuchlich ein Wort ist) oder nach einer ausgewogenen Kombination beider Werte.

Die Daten

Die Datenbank enthält mehrere hunderttausend Wörter aus Deutsch und Englisch. Die Einbindung von weiteren Sprachen ist geplant. Die Grundlage bildet Wiktionary – ein freies kollaboratives Wörterbuch – ergänzt um Frequenzdaten aus Textkorpora (Untertitel, Webtext) und Informationen zu Wortform, Flexion und Wortart.

Die IPA-Transkriptionen stammen aus zwei Quellen: Wo Wiktionary eine manuell eingetragene Aussprache enthält, wird diese verwendet. Für Wörter ohne Eintrag generiert das Open-Source-Tool espeak-ng automatisch eine IPA-Schreibung. Diese automatisch erzeugten Transkriptionen sind in der Regel gut, können aber bei seltenen, fremdsprachigen oder unregelmäßigen Wörtern ungenau sein.

Was Reimwelt kann

  • Sprachübergreifende Reime – z. B. deutsches Wort mit englischem Pendant
  • Filterung nach Silbenzahl, Wortart (Nomen, Verb, Adjektiv …) und Metrum (Jambus, Trochäus …)
  • Vier Sortiermodi: Ausgewogen, Reimreinheit, Häufigkeit und alphabetisch
  • Wortdetails auf Knopfdruck: IPA, Betonungsmuster, Flexionsformen, Synonyme
  • Endungssuche – alle Wörter auf -heit, -ung usw. finden

Grenzen & Schwächen

Reimwelt ist ein Werkzeug, kein Orakel. Es gibt einige strukturelle Einschränkungen, die du kennen solltest:

Homographe

Manche deutschen Wörter werden je nach Bedeutung unterschiedlich betont und ausgesprochen – zum Beispiel „modern" als Adjektiv [moˈdɛʁn] vs. als Verb [ˈmoːdɐn] (modern = verrotten). Die Datenbank kann nur eine Aussprache pro Wort speichern; die andere geht verloren.

IPA-Ungenauigkeiten

Automatisch erzeugte Transkriptionen sind nicht perfekt. Bei Fremdwörtern, Eigennamen oder seltenen Wörtern kann die IPA-Schreibung von der tatsächlichen Aussprache abweichen, was zu falschen Treffern oder fehlenden Reimen führt.

Fehlende Frequenzdaten

Für sehr seltene, veraltete oder stark fachsprachliche Wörter fehlen verlässliche Häufigkeitswerte. Solche Wörter erhalten einen Standardwert und können im Sortiermodus „Häufigkeit" nach unten rutschen.

Keine semantische Ebene

Reimwelt ist Phonetiker, nicht Poet: Es weiß, wie Wörter klingen, aber nicht, was sie bedeuten. „schön" und „Gestöhn" reimen sich lautlich einwandfrei – ob das inhaltlich eine gute Idee ist, liegt ganz allein bei dir.

Tipp: Stößt du auf einen offensichtlichen IPA-Fehler oder ein fehlendes Reim-Paar? Homographe und Transkriptionsfehler sind die häufigsten Ursachen. Die Homographe-Seite erklärt das Problem ausführlicher.

Tiefer eintauchen